Die drei Kategorien kennen

Bootlegs, Fälschungen und legitime regionale Ausgaben sind nicht dasselbe. Wer sie verwechselt, riskiert teure Fehlkäufe. Ein Bootleg ist eine inoffizielle Veröffentlichung, häufig aus Liveaufnahmen, Radiosendungen, Demos oder unveröffentlichtem Material zusammengestellt und ohne Genehmigung des Rechteinhabers herausgebracht. Eine Counterfeit-Platte ist die bewusste Kopie einer echten kommerziellen Veröffentlichung, die wie ein originales oder autorisiertes Reissue wirken soll. Eine legal lizenzierte regionale Pressung ist dagegen eine offizielle Veröffentlichung, die unter Lizenz für ein bestimmtes Gebiet hergestellt wurde.

Diese letzte Kategorie ist wichtig, weil Käufer ungewohnte Labels oft fälschlich für gefälschte Plattenlabels halten. Japanische und indische Pressungen, sowjetische Melodiya-Ausgaben oder jugoslawische Jugoton-Editionen können anders aussehen als britische oder US-amerikanische Exemplare und trotzdem vollständig offiziell sein. Abweichendes Papier, lokale Druckvermerke, regionale Katalogpräfixe, übersetzte Texte und Hinweise auf lokale Verwertungsgesellschaften sind bei lizenzierten Regionalausgaben normal.

Wenn Sie herausfinden möchten, ob eine Platte ein Bootleg ist, beginnen Sie mit der Absicht hinter der Veröffentlichung:

  • Bootleg: inoffizielles Material oder eine nicht autorisierte Veröffentlichung, die meist nicht versucht, eine ganz bestimmte Originalausgabe bis ins Detail zu kopieren.
  • Counterfeit: soll eine echte Pressung so überzeugend imitieren, dass Käufer getäuscht werden.
  • Lizenzierte regionale Pressung: offiziell, aber abweichend – oft mit lokalem Branding, eigener Typografie und gebietsspezifischen Katalogkonventionen.

Eine sogenannte Pirate-Pressung kann je nach Herstellung und Vertrieb in eine der beiden inoffiziellen Kategorien fallen. Entscheidend ist, ob sie autorisiert ist und ob sie vorgibt, etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich ist.

Mit dem Cover beginnen

Die Druckqualität ist eine der schnellsten Möglichkeiten, gefälschte Schallplatten zu erkennen, denn Fälschungen scheitern oft schon, bevor Sie die Rillen überhaupt berühren. Echte Covers zeigen in der Regel scharfe Schrift, konsistente Farben, korrekte Bildausschnitte und Materialien, die zur Zeit und zum Herstellungsland passen. Verdächtige Exemplare wirken dagegen häufig eingescannt, nachgedruckt oder aus unterschiedlichen Quellen zusammengesetzt.

Achten Sie auf diese in wenigen Sekunden erkennbaren Hinweise beim Druck eines gefälschten Covers:

  • Weiche Kanten und unscharfe Schrift: Kleingedruckte rechtliche Angaben sollten bei gutem Licht lesbar sein. Wirken sie verschwommen oder aufgequollen, wurde das Motiv möglicherweise aus einem Bild kopiert statt mit den originalen Druckdaten hergestellt.
  • Farbverläufe oder falsche Sättigung: rötliche Hauttöne, ausgewaschene Schwarztöne sowie zu dunkle oder zu flache Hintergründe können auf einen Reproduktionsdruck hindeuten.
  • Falsche Oberfläche: Ein Cover, das eigentlich matt sein müsste, aber glänzt, oder laminiert sein sollte, jedoch aus einfachem Karton besteht, verdient eine genauere Prüfung.
  • Fehlender Rückentext: Bei vielen offiziellen Alben stehen Katalognummer und Titel auf dem Rücken. Fälschungen lassen ihn manchmal leer oder verwenden falsche Schriftgrößen und Abstände.
  • Fotokopierte Innenhüllen: Originale bedruckte Innenhüllen haben meist scharfe Schrift und passendes Papier. Reproduktionen wirken oft grau, matschig oder dünn und zeigen deutliche Moiré-Muster vom Scan.
  • Unpassende Konstruktion: Ältere Covers können je nach Land und Zeitraum frontlaminiert, mit Klappkanten, als Tip-on-Cover oder direkt bedruckt sein. Ein geklebtes Cover, obwohl das Original laminiert war, oder umgekehrt, ist ein Warnsignal.
  • Falscher Bildausschnitt: zu eng beschnittene Gesichter, verschobene Logos, falsche Randbreiten oder zu hoch beziehungsweise zu tief platzierte Textblöcke auf der Rückseite sind typische Fehler.

Keines dieser Merkmale beweist für sich allein eine Fälschung. Druckereien wechselten, Covers alterten und offizielle Reissues können sich materiell deutlich von Originalen unterscheiden. Treten jedoch mehrere Druckfehler gemeinsam auf – besonders bei einer als frühe Pressung angebotenen Platte –, sollten Sie genauer hinsehen.

Behauptet der Verkäufer, es handle sich um ein seltenes Original, vergleichen Sie das Paket mit bekannten Merkmalen der Erstausgabe. Ein zuverlässiger Leitfaden zur Erkennung von Erstpressungen kann dabei helfen. Fälscher treffen oft den groben Look eines Originals, übersehen aber die unspektakulären Details, auf die erfahrene Sammler achten.

Die Labels genau lesen

Der Labeltext ist der zweite große Prüfpunkt, denn offizielle Platten enthalten normalerweise eine Fülle präziser, scheinbar nebensächlicher Informationen, die Fälscher vereinfachen oder falsch wiedergeben. Bei der Erkennung von Bootlegs kommt es oft stärker darauf an, was fehlt, als darauf, was vorhanden ist.

Prüfen Sie die Mittellabels auf folgende Hinweise:

  • Falscher Randtext: Der Text am Labelrand ändert sich je nach Jahr, Gebiet und Rechteinhaber. Ein Exemplar mit späterem Rechtstext, das als frühe Pressung angeboten wird, ist verdächtig.
  • Zu saubere oder moderne Schriften: Viele Vintage-Labels verwendeten bestimmte Schriften, typische Abstände und eine nicht ganz perfekte Ausrichtung. Ein frisch gesetztes Label kann falsch sein, selbst wenn das Artwork attraktiv wirkt.
  • Fehlende Verlags- oder Rechteangaben: Songwriter-Credits, Verlagsangaben, Hinweise auf Verwertungsgesellschaften sowie Hersteller- und Vertriebszeilen fehlen bei inoffiziellen Pressungen häufig.
  • Generische oder fehlende Katalognummer: Echte Labels wiederholen normalerweise die Nummer des Covers, oft mit Seitenangabe. Fälschungen verwenden möglicherweise eine vereinfachte Nummer, ein falsches Präfix oder gar keine Nummer.
  • Falsches Seitenlayout: Abstände zwischen Titeln, Seitenbezeichnungen, Geschwindigkeitsangabe und Logoplatzierung sollten mit bekannten Exemplaren übereinstimmen.
  • Probleme mit der Papierqualität: Zu weiße, zu glänzende, schlecht zentrierte oder ungewöhnlich dünne und leicht knittrige Labels können auf eine nicht standardgemäße Herstellung hindeuten.
  • Dezentrierte Labelbohrung: Ein sichtbar versetztes Label beweist keinen Betrug, tritt aber häufig zusammen mit einer nachlässigen, nicht autorisierten Produktion auf.

Ein klassischer Trick von Fälschern besteht darin, das Logo korrekt zu reproduzieren, aber die rechtlichen Angaben darum herum wegzulassen. Offizielle Labels sind wegen der Anforderungen von Herstellung und Vertrieb oft mit Rechtstexten überfüllt. Hat eine angebliche Major-Label-Veröffentlichung ein auffallend sparsames Label mit kaum Verlagsangaben, ist Vorsicht angebracht.

Auch legitime Regionalpressungen können Käufer hier verunsichern. Eine indische oder jugoslawische Ausgabe kann Credits anders platzieren, eine lokale Schrift verwenden oder statt des exakten britischen beziehungsweise US-amerikanischen Textes einen regionalen Lizenzhinweis tragen. Anders bedeutet nicht automatisch falsch; problematisch ist, wenn die Angaben nicht zu den üblichen Labelkonventionen dieses Landes passen.

Dem Runout am meisten vertrauen

Der Auslaufbereich, auch Dead Wax genannt, ist oft das stärkste einzelne Echtheitsmerkmal, weil er die physische Platte mit einer bestimmten Mastering- und Presswerksgeschichte verbindet. Viele Fälschungen wirken auf dem Cover überzeugend, brechen aber im Runout zusammen.

Fragen Sie zunächst, ob die Markierungen zur angeblichen Veröffentlichung passen. Offizielle Platten tragen normalerweise Matrixnummern, Seitenbezeichnungen und manchmal Mastering-Initialen, Mutter-/Stamper-Codes oder Kennzeichen des Presswerks. Verdächtige Exemplare haben möglicherweise gar keine Matrix, eine generische eingeritzte Nummer oder Markierungen, die nicht zur Arbeitsweise des echten Presswerks passen.

  • Keine Runout-Inschriften: Das völlige Fehlen von Matrixangaben bei einer angeblich kommerziellen Veröffentlichung ist ein starkes Warnsignal.
  • Falscher Gravurstil: Ist bekannt, dass ein Presswerk bei frühen Pressungen handgravierte Matrizen verwendete, kann eine maschinell gestempelte oder ungewöhnlich gleichmäßige Variante falsch sein – und umgekehrt.
  • Falscher Presswerkscode: Presswerke verwendeten eigene Symbole, Stempelarten und Codeformate. Das behauptete Land und die angebliche Zeit müssen zu diesen Mustern passen.
  • Widersprüchliche Seitennummern: Auf dem Label kann eine Katalognummer stehen, während im Dead Wax eine andere erscheint. Das deutet auf Teile aus einer anderen Ausgabe oder eine ohne korrekte Mastering-Herkunft zusammengestellte Kopie hin.
  • Übernommene, aber grobe Markierungen: Fälscher imitieren manchmal bekannte Initialen oder Symbole, doch Größe, Platzierung und Schriftcharakter wirken häufig falsch.

Wenn Sie auffrischen möchten, was Zahlen im Dead Wax bedeuten, erklärt dieser Leitfaden zu Matrixnummern im Vinyl-Runout die grundlegende Logik, die Sammler verwenden. Für eine sprachgesteuerte, fotobasierte Identifikation ist VinylAI hilfreich: Es kann anhand sichtbarer Label- und Covermerkmale die möglichen Veröffentlichungen eingrenzen, bevor Sie diese Kandidaten mit den Runout-Details und den Discogs-Veröffentlichungsnotizen abgleichen.

Der Runout ist besonders wichtig, wenn jemand behauptet, eine angebliche Fälschung einer Erstpressung sei tatsächlich ein Original. Covergrafik lässt sich leichter nachahmen als eine authentische Mastering- und Pressplattenhistorie. Stimmen die Markierungen im Dead Wax nicht überein, fällt das Verkaufsargument meist in sich zusammen.

Die Schallplatte selbst prüfen

Haptik und Oberfläche der Platte können schon vor dem Abspielen auf eine inoffizielle Pressung hindeuten. Das Gewicht allein ist kein zuverlässiges Echtheitsmerkmal, doch Gewicht, Glanz, Zentrierung und Pressqualität ergeben zusammen ein aussagekräftiges Bild.

  • Für die behauptete Zeit ungewöhnlich leicht: Viele nicht autorisierte Kopien wirken im Vergleich zu zeitgenössischen Originalen instabil und dünn, auch wenn manche echten Platten von Natur aus leicht sind.
  • Ungewöhnlich glänzende Oberfläche: Manche Fälschungen wirken glatt und glasig, was nicht zu älteren Vinylmischungen oder zur damaligen Fabrikproduktion passt.
  • Schlechte Randbearbeitung: Nachlässig bearbeitete Außenkanten oder sichtbare Grate sprechen für eine Produktion mit geringer Qualitätskontrolle.
  • Dezentrierte Labels oder Spindellöcher: Kein eindeutiger Bootleg-Beweis, aber häufig bei kostengünstigeren Pressungen.
  • Schlecht ausgeformte Rillen: Sichtbar ungleichmäßige Rillentiefe oder streifige, unruhige Oberflächen können mit minderwertiger Pressqualität einhergehen.
  • Undokumentierte Farbvarianten: Eine überraschende Farbvinyl-Version eines Titels, der normalerweise nur auf schwarzem Vinyl bekannt ist, sollte sorgfältig geprüft werden – es sei denn, es handelt sich um ein dokumentiertes modernes Reissue.

Überbewerten Sie diese Hinweise nicht. Manche hervorragenden Vintage-Platten sind dünn, einige legitime moderne Audiophile-Editionen sehr glänzend und manche Original-Labels dezentriert. Die Haptik liefert zusätzliche Indizien, aber kein allein gültiges Urteil. Aussagekräftig wird sie, wenn sie zu verdächtigen Druck- und Runout-Merkmalen passt.

Auch der Zustand kann die Echtheit verschleiern. Ringwear, Kantenabrieb und altersbedingte Mattheit können ein echtes Cover schlecht aussehen lassen, während eine frische Fälschung kosmetisch makellos wirkt. Trennen Sie Zustandsbewertung und Echtheitsprüfung, indem Sie einen einheitlichen Standard wie diesen Leitfaden zur Vinyl-Zustandsbewertung verwenden. Eine sauber aussehende Fälschung bleibt eine Fälschung; ein abgenutztes Original kann trotzdem das wertvolle Exemplar sein.

Auf eine kopierte Quelle hören

Der Klang kann ein Bootleg oder eine Fälschung entlarven, wenn die optischen Merkmale keinen eindeutigen Befund liefern. Viele inoffizielle Veröffentlichungen wurden von einem Needle-Drop, einer CD, einer komprimierten Digitaldatei oder einer anderen Nicht-Masterquelle geschnitten. Diese Herkunft hinterlässt hörbare Spuren.

  • In die Musik eingebettetes Oberflächenrauschen: Hören Sie unter den ersten Takten bereits Knistern, bevor Ihre eigene Nadel es verursacht haben könnte, stammt die Quelle möglicherweise von einer anderen Platte.
  • Komprimierte Dynamik: Die Musik wirkt flach, laut und klein, mit weniger Druck und Luft als bei einer bekannten guten Pressung.
  • Ungewöhnliche Fades oder abrupte Schnitte: Titel können zu früh ausblenden, verspätet beginnen oder Lücken enthalten, die auf eine Übertragung von einer Zweitquelle hindeuten.
  • Kanalungleichgewicht oder phasiger Klang: Inoffizielle Überspielungen weisen manchmal Ausrichtungsprobleme von Consumer-Wiedergabegeräten auf.
  • Gedämpfte Höhen: Eine kopierte Quelle kann verhangen klingen, besonders wenn mehrere Generationen zwischen ihr und dem Master liegen.

Das bedeutet nicht, dass jede schlecht klingende Platte eine Fälschung ist. Viele offizielle Veröffentlichungen wurden von problematischen Bändern, günstigen Reissue-Kopien oder verrauschten Liveaufnahmen geschnitten. Klingt eine angeblich hochwertige Originalpressung jedoch wie eine überspielte Platte und weist zugleich verdächtigen Labeltext sowie schwachen Druck auf, verdichten sich die Hinweise.

Bootlegs klingen besonders häufig rau, wenn sie Live- oder unveröffentlichtes Material zusammenstellen. In solchen Fällen kann die schlechte Tonqualität Teil der Veröffentlichung sein und nicht den Beweis für eine gefälschte Kopie eines regulären Albums liefern. Die Frage lautet dann nicht „Klingt die Platte makellos?“, sondern „Passen Quelle und Präsentation zu der angebotenen Veröffentlichungsart?“

Der Graumarkt ist etwas anderes

Vinyl vom Graumarkt ist nicht automatisch eine Fälschung, wird aber häufig dafür gehalten. In Europa können bestimmte Aufnahmen nach einer gesetzlich festgelegten Frist unter lokalem Recht gemeinfrei werden. Das hat zu modernen Pressungen älterer Jazz-, Blues-, Rock- und Rundfunkaufnahmen geführt, die dort legal erscheinen können, ohne auf dieselbe Weise vom ursprünglichen Rechteinhaber zu stammen wie ein reguläres Label-Reissue.

Diese Platten versuchen normalerweise nicht, eine bestimmte Originalpressung zu imitieren. Es handelt sich um moderne Ausgaben, oft mit neuen Barcodes, aktueller Herstellung und Labels oder Imprints, die Sammler als günstige Anbieter gemeinfreier Veröffentlichungen kennen. Damit unterscheiden sie sich von Fälschungen, die als echte Originale oder autorisierte Ausgaben durchgehen sollen.

Trotzdem ist eine Graumarktveröffentlichung in den meisten Sammelkontexten deutlich weniger wert als eine originale Erstausgabe und meist auch weniger als ein angesehenes, von geeigneten Bändern stammendes Archiv-Reissue. Betrachten Sie sie als eigene Kategorie:

  • Keine Fälschung: Sie wird im Allgemeinen als moderne Pressung verkauft, nicht als alte Fälschung.
  • Nicht mit einem Original gleichzusetzen: Der rechtliche Status schafft keinen Sammlerwert.
  • Nicht immer aus der besten Quelle: Manche Ausgaben basieren auf leicht verfügbaren Digital- oder Rundfunkquellen statt auf den besten erhaltenen Mastern.

Präsentiert ein Verkäufer eine moderne Graumarktpressung als seltenes Original aus den 1950er- oder 1960er-Jahren, handelt es sich um eine falsche Darstellung. Wird sie korrekt als aktuelle EU-Ausgabe gemeinfreien Materials beschrieben, muss der Käufer lediglich wissen, was das für Klang, Sammelwert und Preis bedeutet.

Einen Prüfablauf verwenden

Die sicherste Antwort auf die Frage „Ist meine Schallplatte eine Fälschung?“ erhalten Sie, wenn Sie jedes Mal dieselbe Reihenfolge einhalten. Ein wiederholbarer Ablauf verhindert, dass ein attraktives Detail Sie von drei verdächtigen Merkmalen ablenkt.

  1. Die Behauptung des Verkäufers klären. Notieren Sie Künstler, Titel, Land, Jahr, Label und die Frage, ob es sich um ein Original, eine lizenzierte Regionalausgabe oder ein Reissue handeln soll.
  2. Das Cover bei gutem Licht prüfen. Kontrollieren Sie Druckschärfe, Rückentext, Oberfläche, Konstruktion und Qualität der Innenhülle.
  3. Jede Zeile des Labels lesen. Vergleichen Sie Katalognummern, Seitenangaben, Verlagsinformationen und Randtext. Achten Sie auf Auslassungen.
  4. Den Runout sorgfältig untersuchen. Notieren Sie Matrixnummern, Gravurstil, Stempelmarkierungen sowie Hinweise auf Mastering oder Presswerk.
  5. Das Vinyl haptisch beurteilen. Prüfen Sie Gewicht, Glanz, Zentrierung und Pressqualität, verwenden Sie diese Merkmale aber nur als zusätzliche Indizien.
  6. Wenn möglich, entscheidende Stellen probehören. Achten Sie auf Quellenrauschen, komprimierten Klang, ungewöhnliche Fades und andere Hinweise auf eine kopierte Quelle.
  7. Die exakte Veröffentlichung auf Discogs abgleichen. Discogs ist der Referenzkatalog und die wichtigste Marktdatenquelle für den Vergleich auf Veröffentlichungsebene. Stimmen Sie Coverdetails, Labels und Runout mit der nächstliegenden Version ab und lesen Sie die Veröffentlichungsnotizen, da dort bekannte Fälschungsmerkmale häufig dokumentiert sind.
  8. Die Preislogik vergleichen. Wird ein seltenes Original angeboten, passen die Details aber nur zu einem häufigen Reissue oder einer inoffiziellen Kopie, sollten Sie Ihr Gebot anpassen oder den Kauf abbrechen.

Wenn Sie anhand von Fotos eine möglicherweise seltene Pressung identifizieren möchten, besonders in einem Laden oder auf einer Plattenbörse, können Tools zur schnellen Eingrenzung viel Zeit sparen. VinylAI kann sichtbare Verpackungs- und Labelmerkmale mit wahrscheinlichen Discogs-Veröffentlichungen abgleichen, bevor Sie die abschließende Dead-Wax-Prüfung und den Preisvergleich durchführen.

Wird die Platte als besonders selten angeboten, sollten Sie neben der Echtheit auch die Seltenheit prüfen. Dieser Leitfaden dazu, seltenes Vinyl zu erkennen, erklärt, warum kleinste Unterschiede zwischen Veröffentlichungen den Wert so stark beeinflussen.

Eine schnelle Prüfliste

Eine Prüfliste zur Schallplatten-Authentifizierung funktioniert am besten, wenn sie das Gesehene mit dem vergleicht, was ein echtes Exemplar zeigen sollte. Verwenden Sie diese Tabelle als Orientierung, bevor Sie bezahlen.

PrüfpunktEchtVerdächtig
CoverdruckScharfe Schrift, stabile Farben, zeittypische Oberfläche, saubere AusrichtungUnscharfe Schrift, Farbverläufe, ungewöhnlicher Glanz, falscher Bildausschnitt
Rücken und KonstruktionTitel und Katalogangaben wie erwartet vorhanden; zeittypische Laminierung oder VerarbeitungLeerer Rücken, geklebte Konstruktion trotz erwarteter Laminierung, billige Repro-Haptik
InnenhülleScharfer Druck, passendes Papier, zeittypisches Design oder FirmenwerbungFotokopierter Eindruck, matschige Grautöne, dünnes Papier, generische Ersatzhülle als Original präsentiert
MittellabelsStimmige Schriften, vollständige Rechte- und Verlagsangaben, passende KatalognummernFalscher Randtext, fehlende Verlagsangaben, generische Katalognummer, modern wirkendes Layout
Runout-MatrixSpezifische gravierte oder gestempelte Matrix, passend zu bekannten Mustern der VeröffentlichungKeine Matrix, grobe Standardmarkierungen, falscher Presswerkscode, falscher Gravurstil
VinyloberflächeZeittypisches Gewicht und passender Glanz, saubere Pressung, zentrierte LabelsFür die behauptete Zeit sehr dünn oder ungewöhnlich glänzend, raue Kanten, dezentrierte Labels
KlangQuellenqualität passt zur bekannten VeröffentlichungEingebettetes Needle-Drop-Rauschen, komprimierter Klang, seltsame Fades oder Schnitte
Beschreibung des VerkäufersKlare Angaben zu Land, Jahr, Ausgabe und eventuellen UnsicherheitenVage Behauptungen, Formulierungen wie „Original?“, keine Dead-Wax-Angaben bei einem teuren Exemplar
Discogs-AbgleichDetails passen zu einer dokumentierten Veröffentlichung und die Notizen stützen die EchtheitKeine nahe Übereinstimmung, widersprüchliche Details, Warnungen vor Fälschungsvarianten in den Beitragsnotizen

Je mehr Kästchen Sie in der verdächtigen Spalte ankreuzen, desto weniger sollten Sie bezahlen. Eine Abweichung kann eine Druckvariante sein; fünf Abweichungen bedeuten meist, dass Sie nicht das in der Beschreibung behauptete Exemplar in der Hand halten.

Sicher kaufen

Die meisten gefälschten Schallplatten lassen sich vermeiden, indem Sie den Kauf nicht überstürzen und nach den unspektakulären Details fragen. Fälscher setzen auf Zeitdruck, unvollständige Fotos und Käufer, die zwar die berühmte Version eines Sammlerstücks kennen, nicht aber dessen konkrete physische Merkmale.

  • Fotos vom Dead Wax verlangen. Bei einem teuren Exemplar sollte der Runout selbstverständlich dazugehören.
  • Nahaufnahmen der Labels anfordern. Kleingedruckte Rechteangaben und Katalognummern sind wichtig.
  • Alle Bestandteile vergleichen, nicht nur das Cover. Gerade bei häufigen Titeln werden Covers und Platten vertauscht.
  • Bei „zu sauberen“ Originalen vorsichtig sein. Eine neuwertig wirkende Rarität mit weichem Artwork und vager Herkunft verlangt mehr, nicht weniger Prüfung.
  • Regionale Varianten nicht vorschnell abtun. Lernen Sie, zwischen ungewohnt und inoffiziell zu unterscheiden.
  • Außergewöhnliche Behauptungen zurückhaltend bewerten. Wer eine Erstpressung anbietet, sollte erklären können, woran sie als solche zu erkennen ist.
  • Nach Maßgabe der Sicherheit bezahlen. Könnte es sich um eine inoffizielle Pressung oder eine spätere Kopie handeln, bieten Sie entsprechend weniger oder verzichten Sie.

Die sicherste Haltung lautet nicht „Beweise, dass die Platte gefälscht ist“, sondern „Beweise, dass sie genau diese Veröffentlichung ist“. Dieser Maßstab schützt Sie davor, für ein Bootleg, eine Fälschung, eine Graumarktausgabe oder schlicht die falsche Pressung zu viel zu bezahlen.

Und denken Sie daran: Beschuldigen Sie einen Verkäufer niemals aufgrund eines einzigen Fotos des Betrugs. Bitten Sie um weitere Details, vergleichen Sie sie mit der dokumentierten Veröffentlichungsgeschichte und gehen Sie weg, wenn die Angaben nicht zusammenpassen. Beim Plattensammeln ist Geduld meist günstiger als Selbstsicherheit.